Kurz bevor es nach Hause gehen soll, war es dringend notwendig, eine Abartigkeit zu essen, um euch Daheimgebliebenen lange etwas vorschwaermen zu koennen. So ging es fuer uns in das 88 Naxi Snack-Restaurant. Schnell waren die Libellen auf der Karte gefunden und bestellt. Nach weniger als 5 Minuten wurde uns dann auch direkt ein Teller voll mit fritierten mehr oder weniger gluecklich aussehenden Libellen serviert. Simon erbarmte sich, als erstes den Genuss zu wagen. Nachdem der erste Happen geschluckt wurde, musste sich Micha auch der Herausforderung stellen. Ohne mit der Wimper zu zucken verschlang er genuesslich das Insekt. Schnell auf den Geschmack gekommen, verschlagen wir beide innerhalb von 10 Minuten rund 25 Libellen und mussten uns erheblich bremsen, nicht noch einen Nachslag zu ordern. Die Daheimgebliebenen duerfen sich schon mal seelisch und moralisch darauf vorbereiten, dass das erste Essen in Deutschland definitiv Libellen beinhalten wird.
Schlagwort: Yunnan
200 Stufen bis zum Bauzaun!
Am naechsten Tag sollte es zum Kloster Ganden Sumtseling gehen, dem wichtigsten in ganz Suedwest China! Im Hostel wurde uns empfohlen statt zu laufen, den Bus zu nehmen. Also setzten wir uns mutig in einen Bus ohne zu wissen wohin dieser eigentlich fahren sollte und wo wir auszusteigen hatten. Wir wussten lediglich, dass die Fahrt etwa 20 Minuten dauern sollte. Auf einem grossen Parkplatz angekommen, wurden wir aus dem Bus geworfen. Wir blickten uns um und waren uns ziemlich sicher, am falschen Ort gelandet zu sein. Wir sahen uns erneut um und gingen durch die einzige offene Tuer, die sich in einem nahe gelegenen Gebaeude befand. Wir erblickten eine grosse Empfangshalle und keine vier Sekunden im Gebaeudeinneren, wurden wir von einem Chinsen begruesst und zum Ticketschalter gelotst. Auf die Frage, wofuer wir eigentlich bezahlen sollten, zeigte er uns Bilder von dem Kloster, welches wir besichtigen wollten. Es befand sich zwei Kilometer entfernt. Also kauften wir reduzierte Tickets mit unseren Studentenausweisen bzw. einer log-in-Bescheinigung des ZDVs.
Der Shuttlebus fuhr uns geschwind zum Eingang des Klosters. Wir erblickten eine grosse Klosteranlage mit einem kleinen Dorf, welches sich unterhalb befand. Die Stufen zum Kloster empor forderten uns alles ab. Auf 3500 Metern brennt jede Stufe in der trockenen Lunge und in den geschundenen Beinen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, war die Tatsache, dass die Klosteranlage derzeit renoviert wird und weite Teile mit Bauzaun abgeschirmt sind oder ein Kran das perfekte Bild vermasselt! Wir liessen uns den Spass aber nicht verderben und sahen uns in Ruhe um. Die zerfallene Altstadt erblickten und durchschritten wir auf dem Rueckweg, bevor wir um einen nahegelegenen Tuempel liefen um die gesamte Szenarie erblicken zu koennen. Der Bus wurde von uns am Strassenrand angehalten und so kamen wir nach etwa drei Stunden wieder in unserem Hostel an, muede aber zufrieden!
Nach einer kurzen Verschnaufpause wollten wir ein Internetcafe aufsuchen, welches wir aus dem Bus heraus gesehen haben. Aber beim Anblick unserer Paesse lachten die Chinesen und winkten ab. Wir nahmen unsere Paesse schimpfend entgegen, warfen den Chinesen noch einige boese Woerter an die hohlen Koepfe und machten uns auf den Weg zum Abendessen. Immer dieser Rassismus! Womit haben wir Deutsche das nur verdient? Wir wissen es nicht …
Das Abendessen verlief unspektakulaer und so auch der weitere Abend. Wir gingen frueh zu Bett um fit fuer den naechsten Tag und die anstehende Rueckfahrt nach Lijiang zu sein.
Busfahrt an die „Dachrinne der Welt“
Wenn Tibet das Dach der Welt ist, dann ist Shangri-La die Dachrinne! Aber alles nach einander…
Um an die Dachrinne der Welt zu kommen, muss man sich auf eine wahrlich abenteuerliche Busfahrt begeben. Da das Ticket ueber das Hostel gebucht werden konnte und die Expressbus-Station mit dem Taxi nur wenige Minuten entfernt ist, konnte die erste Huerde ohne Probleme genommen werden. Auch das Finden des richtigen Busses gestaltete sich denkbar einfach. Spanned wurde es erst, nachdem wir mit dem Bus Lijiang verlassen hatten und der Expressbus-Fahrer den Motor auf optimale Betriebstemperatur gebracht hatte. Ueber eine nordschleifenaehnliche zweispurige Strasse schossen wir die Berge empor, ueberholten an den uneinsichtigsten Stellen (offenbar war der Fahrer ein Adrenalinjunkie), schossen an der ersten Unfallstelle vorbei (Ein LKW mit schweren Felsbrocken beladen war von der Strasse in den Graben gerutscht) und testeten erstmals die Gelaendegaengigkeit des Busses. Das diese Fahrt offensichtlich auch fuer Chinesen kein Zuckerschlecken war und eine Frau bereits begann, eine Plastiktuete mit ihrem Mageninhalt zu fuellen, beunruhigte uns nicht im geringsten, wir genossen die Fahrt und den Ausblick ueber die Landschaft in vollen Zuegen Bussen.
Nach dem ersten und einzigen Boxenstop stieg die Kotz-Chinesin aus und hinterliess ihren liebevoll zugeknoteten Plastikbeutel an ihrem Platz. Da sich der Busfahrer nun statt der Strasse lieber schlechten chinesischen Seifenopern hingeben wollte, uebernahm sein mutmasslicher Azubi das Steuer. Um einen guten Blick auf den Bildschirm zu bekommen, wollte sich der Fahrer in die erste Reihe setzen. Leider wurde sein Platz aber schon durch die bereits erwaehnte Plastiktuete besetzt, sodass der Fahrer, ohne gross zu ueberlegen, den Beutel nahm, ihn kurz hochhielt um ihn dann mit einem schwungschwollen Wurf vorbei an der Nase des Azubis durch das Schiebefenster auf die Strasse zu befoerdern. Wir konnten nicht anders und mussten bei diesem Anblick herzhaft lachen, so auch der Fahrer. Verwunderlich ist nur, dass der Fahrer, der mit seinem Fahrstil selbst Chinesen zum kotzen bringt, diesen Beutel nicht als Trophaee behalten hat… Aber eine gewisse Zufriedenheit war ihm beim herniederlassen in seinen Sessel nicht abzusprechen.
Da sich der Zustand der Strassen zunehmend verbesserte, liess es der Azubi auch merklich ruhiger angehen. Trotzdem war die Fahrt nicht weniger spannend, denn uns boten sich weitere Unfaelle, Yaks auf der Strasse, tiefe Abgruende und spektakulaere Ausblicke. Diese Fahrt hat uns einige Dinge klar werden lassen:
- Ueberholen geht immer, mit Gegenverkehr noch besser
- Der Bus ist immer der Schnellste
- Kein
SchlaglochBombenkrater ist zu tief fuer einen Golden Dragon - Kotze gehoert auf die Strasse und nicht in den Bus!
- Auch auf einem Pick-Up ist fuer drei gefaltete Kuehe Platz
Gluecklich ob der Tatsache, heil in Shangri-La angekommen zu sein, aber auch eine solch spektakulaere Busfahrt miterlebt zu haben, stiegen wir in Shangri-La aus dem Bus. Auf 3500m ist die Luft doch schon ziemlich duenn, aber auch nicht duenner als im etwa gleich hoch gelegenen Lhasa. Dank der freundlichen Hilfe einer Australierin haben wir unser Hostel auf Anhieb gefunden, haben eingecheckt und sind direkt zum Abendessen gestartet.
Dali – Tag 1 – Ankunft auf 2000 Metern
Puenktlich verliess der Zug den Bahnhof von Kunming! Schnell ging das Licht aus und es wurde kollektiv geschlafen. Wir erreichten Dali puenktlich und wurden von Roujiaos Cousin abgeholt. In seinem Auto ging es von Dali New Town nach Dali Old Town. Waehrend der Fahrt lief im Auto ein Comic ueber Dinosaurier, welcher Simons Blicke von der Stadt auf den Film lenkte. Muede kamen wir in der Altstadt an und wurden prompt von Jiaos Mutter empfangen. Es ging direkt in das, fuer uns gebuchte, Hotel und anschliessend zu einem, fuer Dali, typischen Fruehstueck. Es handelte sich hierbei um eine Nudelsuppe mit einer scharfen Hackfleischsosse. Alles zum Preis von 5 Yuan … hervorragend! Gestaerkt aber noch immer muede ging es zurueck ins Hotel um einen kurzen, stark vorgezogenen, Mittagsschlaf zu halten. Gerade eingeschlafen und noch im Land der Traeume haemmerte es an der Tuer! Jiao hatte wieder Hunger … also sind wir zusammen mit der Mutter zum Mittagessen gegangen und konnten direkt einen chinesischen Trauermarsch beobachten! Dieser wurde lautstark mit Kanonenschuessen angekuendigt, sodass das ganze Dorf zu den Tueren eilt um zu sehen, wen es dieses mal erwischt hatte! Das Essen hielt keine boesen Ueberraschungen bereit und deshalb wurde uns schonungslos um kurz nach 12 Schnapps serviert! Aus Anstand tranken wir jeweils zwei Kurze … Gluecklich machten wir uns auf den Weg die Stadt zu erkunden! Jiao zeigte uns alle Ecken, die man sehen musste, unter anderem auch eine deutsche Baeckerei, welche fuer den naechsten Tag als Lokalitaet fuer ein herzhaftes Fruehstueck auserkoren wurde. Ausserdem schenkte uns Jiao jeweils eine ‚Mao-Bibel‘, denn wir sollen die Lehren des grossen Fuehrers verinnerlichen und in die Welt tragen!
Fuer den Abend war ausserdem ein weiteres Familienessen geplant! Zu neunt machten wir es uns in einem Restaurant bequem und prompt wurde damit begonnen gross aufzutischen! Der Vater, der fuer alle bereits vorab bestellt hatte, traf unseren Geschmack. Besonders hervorzuheben sind die beiden Gerichte mit Schweinefleisch, sowie pfannkuchenaehnliche Fladen! Alles in allem ein gelungener Tag!
Kunming, Shilin, Polen
In Kunming angekommen, erwartete uns schon Jiaos Tante, um uns den Weg zu unserem Hostel zu weisen. Nach 20 Minuten im Bus und weiteren fuenf Minuten zu Fuss erreichten wir das Cloudland-Hostel. Die Zimmer konnten wir direkt beziehen und die Duschen waren auch schnell gefunden und genutzt. Da Roujiao eine Pause brauchte, verbrachten wir den Tag ohne sie. Wieder waren wir fleissig und haben unsere Waeschesaecke, nach laengerer Suche, abgegeben und waschen lassen. Im Hostel angekommen und kaum auf einem der vielen Sofas niedergelassen, machte sich ein Hauch von Bier- und Schweissgeruch breit. Unsere polnischen Nachbarn waren zu hause und stellten sich prompt vor, nicht ohne uns Bier und Zigaretten anzubieten! Wir kamen schnell ins Gespraech und erfuhren so von ihrer spannenden Anreise nach China. Sie nahmen nicht das Flugzeug, auch nicht die Transsib, sondern sind getrampt und zwar von polnisch-ukrainischen Grenze bis in die Mandschurei. Es handelte sich wirklich um eine verdammt harte Gruppe, bestehend aus zwei Maedels und zwei Kerlen. Einer von beiden war des Weiteren durch eine fehlende Fingerkuppe merklich gezeichnet! Sie hatten viel von ihrer Reise zu erzaehlen. Untermalt die Erzaehlungen von einer kleinen Fotoshow.
Als uns Hunger auf die wilden Strassen Kunmings trieb, stiessen wir ausserdem auf einen Wal-Mart, doch konnte uns dieser nicht die gewuenschten Artikel bieten … aber egal! So ging es zu Dicos, einer taiwanesischen Fastfood-Kette. Dies erwies sich als grosser Fehler, denn es schmeckte einfach schlecht und lange warten mussten wir auch noch. Dicos ist somit offiziell von unserer Liste gestrichen. Frueh ging es ins Bett, da fuer den naechsten Tag der Steinwald in Shilin auf dem Programm stand.
Ueberpuenktlich standen wir vor unserem Hostel und trafen Jiao. Zusammen mit ihr ging es zur Kunming East Bus Station, wo wir einen weiteren Bus nach Shilin nahmen. Die Busfahrt verlief unspektakulaer und nach etwas ueber einer Stunde kamen wir, genervt von einem franzoesischen Choleriker, in Shilin an. Vom Eintrittspreis geschockt (fast 20Euro) entschloss sich Simon zu einer kleinen Notluege … er war fuer fuenf Minuten Austauschstudent mit Mainzer Studentenausweis … Der Steinwald ist eine, durch Wind und Wasser, erodierte Gesteinslandschaft, welche Massen an Touristen anzieht. Doch es lohnt sich! Man wandert oder irrt durch ein Labyrinth und kommt nach einigen Minuten wieder am Startpunkt an. Beeindruckt von der sich hier bietenden Landschaft, ging es zurueck nach Kunming, wo eine weitere kulinarische Spezialitaet auf uns wartete. ‚Ueber-die-Bruecke-Nudeln standen auf dem Speiseplan! In einem, nicht durch Sauberkeit glaenzenden Restaurant, machten wir uns an diese Nudelsuppe, in welche verschiedene Zutaten geworfen werden. Es schmeckte so la la …! Da auf unserer Einkaufsliste eigentlich auch neue Brillen standen, gingen wir zu einem nahegelegenen Optiker, doch beim Anblick von HUGO SOSB und Dolaroid, machten wir eine Kehrtwende und verliessen geschwind den Laden! Der letzte Tag plaetscherte so vor sich hin. Am Mittag entschieden wir uns deshalb fuer einen Besuch des Yunnan Provinz Museums. Doch dieses enttaeuschte!
Zurueck im Hostel, schnappten wir unsere Rucksaecke und machten uns auf den Weg zum Bahnhof (dieses mal im Taxi mit Taxameter!). Dort ausgestiegen, steuerte direkt ein aelterer Chinese auf uns zu und frage uns nach einem Foto mit ihm. Wir kamen seinem Wunsch nach und wurden prompt zu ihm nach Hause eingeladen. Doch leider sieht unser Reiseplan keinen Stop in seiner Stadt vor … schade eigentlich!