Xi’an

Nach einer doch recht angenehmen Fahrt nach Xi’an folgte ein Tag des Grauens. Es begann alles mit der Busfahrt vom Hauptbahnhof in Xi’an zum Hostel. Diese eine Busfahrt offenbarte alle Grausamkeiten des chinesischen Verkehrs in einer Grossstadt ohne U-Bahn. Da die Busse in Xi’an alle ueber Handschaltung verfuegen, muss man immer damit rechnen, beim Anfahren oder Bremsen durch den Bus zu fliegen. Denn die Busfahrer bremsen immer erst, wenn es zu spaet ist. Und Anfahren koennen sie offenbar nur mit Vollgas. Hinzu kommt, dass sich unvorstellbare Menschenmassen in die Busse quetschen. Man muss sich immer rechtzeitig auf den Ausstieg vorbereiten, andernfalls muss man eine Station weiter fahren. Fast schon nebensaechlich erscheint da die Tatsache, dass die Strassen voellig marode sind und dementsprechend holprig die Fahrt.

Im Hostel schliesslich angekommen mussten wir uns mit chronisch genervtem Personal rumschlagen, dass kaum Englisch sprechen konnte. Um die zwei Stunden zu ueberbruecken, die wir auf unsere Zimmer warten mussten, trieb es uns an die Computer. Wie wir leider feststellen mussten, waren diese veraltet, langsam und voellig verseucht mit Viren. Der absolute Hoehepunkt im negativen Sinne stellte der Moment dar, als der PC beim Versuch Bilder auf Flickr hochzuladen, diese einfach auf der Speicherkarte geloescht oder versteckt hat. Jedenfalls scheinen die Bilder nur noch als Daten, aber nicht als Fotos vorhanden zu sein. Der Tiefpunkt in Xi’an war somit erreicht.

Nachdem wir dann die Zimmer beziehen konnten, wurden wir zwar nicht masslos enttaeuscht, aber dennoch nicht zufrieden gestellt. Die Zimmer waren ohne Fenster und ohne Klimaanlage. Zudem waren die Duschen von einem sehr komischen Aufbau und Dreck gepraegt. Man musste sich wirklich fragen, welcher Architekt auf die Idee kommt, Duschkabinen aus mattem Glas zu bauen…

Das Leid liess in Xi’an leider nicht von uns ab. Das naechste Ungemach traf uns, als wir feststellen mussten, dass es keine Fahrkarten mehr fuer unseren gewuenschten Zug nach Chengdu gab. Als Alternative bot sich nur ein Zug am uebernaechsten Tag um 6.00 Uhr morgens an. Jiao hat sich in unendlicher Geduld mehrmals an die Schlange am Ticketschalter angestellt, bis wir schliesslich Tickets fuer einen Zug am uebernaechsten Tag um 13.20 Uhr bekommen hatten. Zwar waren die Plaetze nicht, wie eigentlich gehofft, in der Softsleeper-Kategorie, sondern in der Hardsleeper-Kategorie, doch wir fanden uns mit unserem Schicksal schliesslich ab.

Bezeichnend war auch die Erkenntnis, dass chinesische Taxifahrer mit dem Begriff Befoerderungspflicht nichts anfangen koennen. Nicht nur in Beijing wollte uns kein Taxifahrer zum Bahnhof fahren. Auch in Xi’an wurden wir mit dem Hinweis abgewiesen, dass die Strecke zu kurz sei. Taxifahrer sind von nun an ganz unten in unserer Sympathieskala angekommen.

Aber es gab auch einige wenige gute Erlebnisse in der Chaosstadt Xi’an. Zum Beispiel das erste Gespraech mit einem echten Chinesen am ersten Abend in der Bar. Dort hatten wir uns frustriert dazu entschlossen, den Abend mit ein paar Bieren zu begiessen. Mit einem Chinesen kamen wir spaeter am Abend ins Gespraech. Zum Schluss lud dieser uns sogar zu einem Jaegermeister ein. Damit fand zumindest der eine Abend einen guten Abschluss.

P.S. Simon hat auch erfahren, dass er IB bestanden hat!

Per Nachtzug in den Vorhof der Hoelle!

Am Bahnhof angekommen, staunten wir erstmal ueber die Ausmasse des Bahnhofs. Berlin Hbf ist ein Witz dagegen. Zunaechst mussten wir eine Sicherheitskontrolle ueber uns ergehen lassen (wie am Flughafen oder auch in der U-Bahn in Beijing). Anschliessend ging es direkt zu unserem Warteraum, in dem wir die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges verbracht haben. In China wartet man nicht direkt am Gleis auf seinen Zug, sondern in einer grossen Halle mit vielen Verkaufsstaenden und Kiosken und noch viel mehr Menschen. Puenktlich eine halbe Stunde vor Abfahrt, stand der Zug zum Einsteigen bereit. Der entsprechende Wagen und unsere Betten waren schnell gefunden. Das Gepaeck stopften wir unter die Betten und kurz darauf fuhr Zug Z53 puenktlich ab.

Unser Abteil hatte vier Betten. Wir mussten es uns mit einer weiteren Chinesin teilen. Die Tuer zum Gang konnte verschlossen werden, sodass wir guten Gewissens schlafen konnten. Zuvor machten wir uns allerdings noch auf den Weg zum Restaurant-Wagen. Hier bestellten wir zwei Bier und tranken diese aus. Weitere zwei wurden bestellt, doch das Zugpersonal verstand uns nicht und wollte das Bier nicht bringen, obwohl es schon bezahlt war. Es dauerte und dauerte bis die entsprechende Person ihren Fehler verstand. Natuerlich konnte sie kein Englisch und so musste erst ein Kollege von ihr, der uns einigermassen verstehen konnte, anruecken. So kamen wir letztlich zu unserem verdienten Bier. Mittlerweile waren wir auch die einzigen Passagiere im Restaurantwagen. Lediglich das komplette Zugpersonal war ausser uns anwesend. Allerdings schenkten sie uns keinerlei Beachtung.

Da Chinesen frueh schlafen gehen, blieb es bei zwei Bieren. Wir wollten nicht vor einer verschlossenen Tuer stehen und deshalb ging es zurueck zu unserem Abteil, in welchem schon eine schnarchende Chinesin auf uns wartete … Jackpot! … So musste also der mp3-Player herhalten. Irgendwann ist man auch wirklich eingeschlafen und wurde nur wach, wenn der Zug anhielt oder die Kopfhoerer aus den Ohren rutschten und man das Geschnarche der Chinesin ertragen musste. Aber auch das haben wir ueberstanden uns so kamen wir morgens mit einer kleinen Verspaetung um 8.30 in Xi’an an.

Aus dem Bahnhof draussen blickten wir direkt auf eine riesige Menschenmenge, die vor dem Bahnhof auf dem Boden sass. Schwer beladen mit Sack und Pack, Kind und Kegel, warteten diese Menschen auf ihren Zug. Den Bus erreichten wir schnell und die Fahrt liess schon nichts gutes erahnen. Doch was alles in Xi’an schief gelaufen ist und warum wir so froh sind, wenn es morgen in die naechste Stadt geht, wird in einem weiteren Artikel geschrieben stehen.