Alles richtig gemacht!

Nachdem wir wieder einmal die Leistungsfaehigkeit der chinesischen Standardtoilette zu stark strapaziert hatten, packten wir unsere Sachen, checkten aus dem Hostel aus und machten uns auf den Weg zum Busbanhof. Auch hier war der richtige Ausstieg nicht klar, sodass wir uns lediglich auf unser stark ausgepraegten Orientierungssinn verlassen mussten. Dank unserer aeusserst stark ausgepraegten Maennlichkeit stellte dies jedoch kein Problem dar. Am Busbahnhof wollten wir uns direkt auf die Suche nach dem Ticket-Office machen, wurden jedoch jaeh unterbrochen, als ein laut „Lijiang“ bruellender Busfahrer auf uns zugestuermt kam und uns zum Folgen noetigte. Micha erkannte ihn direkt, es war der Kotzebeutel schleudernde Busfahrer von der Hinfahrt. Sichtlich erfreut lotste er uns direkt zum Einstieg des Busses. Wir bezahlten schnell bei der Dame, die die Tickets kontrolliert und machten es uns in unseren breiten Ledersesseln bequem. Dass die Fahrt sicher und angenehm verlaufen wuerde, war uns schnell bewusst und wir vertrauten dem fahrerischen Koennen des altbekannten Duos. Kaum sassen wir im Bus, heulte der Motor auf und die Fahrt begann. Mit ordentlich Rueckenwind, viel bergab und weniger Verkehr kamen wir in rekordverdaechtiger Zeit in Lijiang wieder an. Mit dem Taxi ging es zurueck ins Panbas. Ganz klar, wir haben alles richtig gemacht!

200 Stufen bis zum Bauzaun!

Am naechsten Tag sollte es zum Kloster Ganden Sumtseling gehen, dem wichtigsten in ganz Suedwest China! Im Hostel wurde uns empfohlen statt zu laufen, den Bus zu nehmen. Also setzten wir uns mutig in einen Bus ohne zu wissen wohin dieser eigentlich fahren sollte und wo wir auszusteigen hatten. Wir wussten lediglich, dass die Fahrt etwa 20 Minuten dauern sollte. Auf einem grossen Parkplatz angekommen, wurden wir aus dem Bus geworfen. Wir blickten uns um und waren uns ziemlich sicher, am falschen Ort gelandet zu sein. Wir sahen uns erneut um und gingen durch die einzige offene Tuer, die sich in einem nahe gelegenen Gebaeude befand. Wir erblickten eine grosse Empfangshalle und keine vier Sekunden im Gebaeudeinneren, wurden wir von einem Chinsen begruesst und zum Ticketschalter gelotst. Auf die Frage, wofuer wir eigentlich bezahlen sollten, zeigte er uns Bilder von dem Kloster, welches wir besichtigen wollten. Es befand sich zwei Kilometer entfernt. Also kauften wir reduzierte Tickets mit unseren Studentenausweisen bzw. einer log-in-Bescheinigung des ZDVs.
Der Shuttlebus fuhr uns geschwind zum Eingang des Klosters. Wir erblickten eine grosse Klosteranlage mit einem kleinen Dorf, welches sich unterhalb befand. Die Stufen zum Kloster empor forderten uns alles ab. Auf 3500 Metern brennt jede Stufe in der trockenen Lunge und in den geschundenen Beinen. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten, war die Tatsache, dass die Klosteranlage derzeit renoviert wird und weite Teile mit Bauzaun abgeschirmt sind oder ein Kran das perfekte Bild vermasselt! Wir liessen uns den Spass aber nicht verderben und sahen uns in Ruhe um. Die zerfallene Altstadt erblickten und durchschritten wir auf dem Rueckweg, bevor wir um einen nahegelegenen Tuempel liefen um die gesamte Szenarie erblicken zu koennen. Der Bus wurde von uns am Strassenrand angehalten und so kamen wir nach etwa drei Stunden wieder in unserem Hostel an, muede aber zufrieden!
Nach einer kurzen Verschnaufpause wollten wir ein Internetcafe aufsuchen, welches wir aus dem Bus heraus gesehen haben. Aber beim Anblick unserer Paesse lachten die Chinesen und winkten ab. Wir nahmen unsere Paesse schimpfend entgegen, warfen den Chinesen noch einige boese Woerter an die hohlen Koepfe und machten uns auf den Weg zum Abendessen. Immer dieser Rassismus! Womit haben wir Deutsche das nur verdient? Wir wissen es nicht …
Das Abendessen verlief unspektakulaer und so auch der weitere Abend. Wir gingen frueh zu Bett um fit fuer den naechsten Tag und die anstehende Rueckfahrt nach Lijiang zu sein.

Busfahrt an die „Dachrinne der Welt“

Wenn Tibet das Dach der Welt ist, dann ist Shangri-La die Dachrinne! Aber alles nach einander…

Um an die Dachrinne der Welt zu kommen, muss man sich auf eine wahrlich abenteuerliche Busfahrt begeben. Da das Ticket ueber das Hostel gebucht werden konnte und die Expressbus-Station mit dem Taxi nur wenige Minuten entfernt ist, konnte die erste Huerde ohne Probleme genommen werden. Auch das Finden des richtigen Busses gestaltete sich denkbar einfach. Spanned wurde es erst, nachdem wir mit dem Bus Lijiang verlassen hatten und der Expressbus-Fahrer den Motor auf optimale Betriebstemperatur gebracht hatte. Ueber eine nordschleifenaehnliche zweispurige Strasse schossen wir die Berge empor, ueberholten an den uneinsichtigsten Stellen (offenbar war der Fahrer ein Adrenalinjunkie), schossen an der ersten Unfallstelle vorbei (Ein LKW mit schweren Felsbrocken beladen war von der Strasse in den Graben gerutscht) und testeten erstmals die Gelaendegaengigkeit des Busses. Das diese Fahrt offensichtlich auch fuer Chinesen kein Zuckerschlecken war und eine Frau bereits begann, eine Plastiktuete mit ihrem Mageninhalt zu fuellen, beunruhigte uns nicht im geringsten, wir genossen die Fahrt und den Ausblick ueber die Landschaft in vollen Zuegen Bussen.

Nach dem ersten und einzigen Boxenstop stieg die Kotz-Chinesin aus und hinterliess ihren liebevoll zugeknoteten Plastikbeutel an ihrem Platz. Da sich der Busfahrer nun statt der Strasse lieber schlechten chinesischen Seifenopern hingeben wollte, uebernahm sein mutmasslicher Azubi das Steuer. Um einen guten Blick auf den Bildschirm zu bekommen, wollte sich der Fahrer in die erste Reihe setzen. Leider wurde sein Platz aber schon durch die bereits erwaehnte Plastiktuete besetzt, sodass der Fahrer, ohne gross zu ueberlegen, den Beutel nahm, ihn kurz hochhielt um ihn dann mit einem schwungschwollen Wurf vorbei an der Nase des Azubis durch das Schiebefenster auf die Strasse zu befoerdern. Wir konnten nicht anders und mussten bei diesem Anblick herzhaft lachen, so auch der Fahrer. Verwunderlich ist nur, dass der Fahrer, der mit seinem Fahrstil selbst Chinesen zum kotzen bringt, diesen Beutel nicht als Trophaee behalten hat… Aber eine gewisse Zufriedenheit war ihm beim herniederlassen in seinen Sessel nicht abzusprechen.

Da sich der Zustand der Strassen zunehmend verbesserte, liess es der Azubi auch merklich ruhiger angehen. Trotzdem war die Fahrt nicht weniger spannend, denn uns boten sich weitere Unfaelle, Yaks auf der Strasse, tiefe Abgruende und spektakulaere Ausblicke. Diese Fahrt hat uns einige Dinge klar werden lassen:

  1. Ueberholen geht immer, mit Gegenverkehr noch besser
  2. Der Bus ist immer der Schnellste
  3. Kein Schlagloch Bombenkrater ist zu tief fuer einen Golden Dragon
  4. Kotze gehoert auf die Strasse und nicht in den Bus!
  5. Auch auf einem Pick-Up ist fuer drei gefaltete Kuehe Platz

Gluecklich ob der Tatsache, heil in Shangri-La angekommen zu sein, aber auch eine solch spektakulaere Busfahrt miterlebt zu haben, stiegen wir in Shangri-La aus dem Bus. Auf 3500m ist die Luft doch schon ziemlich duenn, aber auch nicht duenner als im etwa gleich hoch gelegenen Lhasa. Dank der freundlichen Hilfe einer Australierin haben wir unser Hostel auf Anhieb gefunden, haben eingecheckt und sind direkt zum Abendessen gestartet.

Xi’an

Nach einer doch recht angenehmen Fahrt nach Xi’an folgte ein Tag des Grauens. Es begann alles mit der Busfahrt vom Hauptbahnhof in Xi’an zum Hostel. Diese eine Busfahrt offenbarte alle Grausamkeiten des chinesischen Verkehrs in einer Grossstadt ohne U-Bahn. Da die Busse in Xi’an alle ueber Handschaltung verfuegen, muss man immer damit rechnen, beim Anfahren oder Bremsen durch den Bus zu fliegen. Denn die Busfahrer bremsen immer erst, wenn es zu spaet ist. Und Anfahren koennen sie offenbar nur mit Vollgas. Hinzu kommt, dass sich unvorstellbare Menschenmassen in die Busse quetschen. Man muss sich immer rechtzeitig auf den Ausstieg vorbereiten, andernfalls muss man eine Station weiter fahren. Fast schon nebensaechlich erscheint da die Tatsache, dass die Strassen voellig marode sind und dementsprechend holprig die Fahrt.

Im Hostel schliesslich angekommen mussten wir uns mit chronisch genervtem Personal rumschlagen, dass kaum Englisch sprechen konnte. Um die zwei Stunden zu ueberbruecken, die wir auf unsere Zimmer warten mussten, trieb es uns an die Computer. Wie wir leider feststellen mussten, waren diese veraltet, langsam und voellig verseucht mit Viren. Der absolute Hoehepunkt im negativen Sinne stellte der Moment dar, als der PC beim Versuch Bilder auf Flickr hochzuladen, diese einfach auf der Speicherkarte geloescht oder versteckt hat. Jedenfalls scheinen die Bilder nur noch als Daten, aber nicht als Fotos vorhanden zu sein. Der Tiefpunkt in Xi’an war somit erreicht.

Nachdem wir dann die Zimmer beziehen konnten, wurden wir zwar nicht masslos enttaeuscht, aber dennoch nicht zufrieden gestellt. Die Zimmer waren ohne Fenster und ohne Klimaanlage. Zudem waren die Duschen von einem sehr komischen Aufbau und Dreck gepraegt. Man musste sich wirklich fragen, welcher Architekt auf die Idee kommt, Duschkabinen aus mattem Glas zu bauen…

Das Leid liess in Xi’an leider nicht von uns ab. Das naechste Ungemach traf uns, als wir feststellen mussten, dass es keine Fahrkarten mehr fuer unseren gewuenschten Zug nach Chengdu gab. Als Alternative bot sich nur ein Zug am uebernaechsten Tag um 6.00 Uhr morgens an. Jiao hat sich in unendlicher Geduld mehrmals an die Schlange am Ticketschalter angestellt, bis wir schliesslich Tickets fuer einen Zug am uebernaechsten Tag um 13.20 Uhr bekommen hatten. Zwar waren die Plaetze nicht, wie eigentlich gehofft, in der Softsleeper-Kategorie, sondern in der Hardsleeper-Kategorie, doch wir fanden uns mit unserem Schicksal schliesslich ab.

Bezeichnend war auch die Erkenntnis, dass chinesische Taxifahrer mit dem Begriff Befoerderungspflicht nichts anfangen koennen. Nicht nur in Beijing wollte uns kein Taxifahrer zum Bahnhof fahren. Auch in Xi’an wurden wir mit dem Hinweis abgewiesen, dass die Strecke zu kurz sei. Taxifahrer sind von nun an ganz unten in unserer Sympathieskala angekommen.

Aber es gab auch einige wenige gute Erlebnisse in der Chaosstadt Xi’an. Zum Beispiel das erste Gespraech mit einem echten Chinesen am ersten Abend in der Bar. Dort hatten wir uns frustriert dazu entschlossen, den Abend mit ein paar Bieren zu begiessen. Mit einem Chinesen kamen wir spaeter am Abend ins Gespraech. Zum Schluss lud dieser uns sogar zu einem Jaegermeister ein. Damit fand zumindest der eine Abend einen guten Abschluss.

P.S. Simon hat auch erfahren, dass er IB bestanden hat!

Der lange Marsch

Heute war die chinesische Mauer das Ziel. Da Jiao sich noch immer nicht gut fuehlt, sind wir wieder auf eigene Faust losgezogen. Die Rezeptionistin empfohl uns statt dem Zug den Bus. Also machten wir uns mit der U-Bahn auf den Weg zur Bushaltestelle um den Bus 919 zu suchen. Dieser lies sich allerdings nicht auffinden. Lediglich Taxifahrer sprachen uns an, wollten fuer die Fahrt aber unverschaemte Preise. Also sind wir nach erfolglosem Warten zum Bahnhof gefahren, um uns ein Ticket fuer den Zug zu kaufen. Dieses hat 20 Yuan gekostet, allerdings fuhr der Zug erst nach weiteren 90 Minuten ab, weshalb wir uns entschieden im Bahnhofs-Supermarkt Instantnudeln zu kaufen und diese mit bereitgestelltem heissen Wasser zuzubereiten. Wir wussten zwar nicht was wir assen, aber es schmeckte einigermassen. Bald wurde der Zug aufgerufen und wir machten uns ueber einen langen und breiten Bahnsteig auf den Weg zu unserem Zug. Dieser bot erstaunlich viel Platz und so ging es in 60 Minuten nach Badaling zur grossen Mauer.

Nach den ersten 800m bergauf erreichten wir den Eingang, kauften Eintrittskarten und machten uns auf den Weg, die Mauer zu besteigen. Der Gewaltmarsch fuehrte uns bis zum hoechsten Punkt der Mauer an diesem Teilabschnitt. Die Treppenstufen waren derart unterschiedlich in ihrer Hoehe, dass man sehr konzentriert sein musste, um nicht ins Stolpern zu geraten. Passiert ist allerdings nicht. Nach einer Stunde und zahllosen Hoehenmetern erreichten wir den hoechsten Punkt, genossen kurz die Aussicht um uns auf den nicht weniger anstrengenden Abstieg zu machen. Die Kniegelenke krachten und knarzten, doch es war die Anstrengungen wert. Auch, da es bis zur Spitze ausser uns kein Europaeer geschafft hat (zumindest nicht, als wir da waren). Somit konnten wir einmal mehr die deutsche Vormachtstellung in Europa untermauern. Sieg auf ganzer Laenge!

Nach einer kurzen Staerkung haben wir uns fuer den Bus 919, den wir in Badaling ohne Probleme fanden, entschieden. Dieser war allerdings so eng, man sitzt 3-2, dass es unmoeglich war, die Beine in einer entspannten Haltung anzuordnen, weshalb die fast 90 Minuten zu einem langen Krampf wurden. Doch was will man bei 12Yuan fuer 65km erwarten? Ausgesetzt im Nirgendwo, fanden wir nach einem weiteren Marsch eine U-Bahnstation und konnten so entspannt nach Hause fahren.

Uebrigens wurden wir auf der grossen Mauer gefragt, ob wir Mao gut finden, was wir natuerlich bejahten. Um unserem grossen Idol ein Stueckchen naeher zu kommen, vergleichen wir den heutigen Ausflug mit seinem langen Marsch!

Mao, wir fuehlen mit dir!