Per Nachtzug in den Vorhof der Hoelle!

Am Bahnhof angekommen, staunten wir erstmal ueber die Ausmasse des Bahnhofs. Berlin Hbf ist ein Witz dagegen. Zunaechst mussten wir eine Sicherheitskontrolle ueber uns ergehen lassen (wie am Flughafen oder auch in der U-Bahn in Beijing). Anschliessend ging es direkt zu unserem Warteraum, in dem wir die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges verbracht haben. In China wartet man nicht direkt am Gleis auf seinen Zug, sondern in einer grossen Halle mit vielen Verkaufsstaenden und Kiosken und noch viel mehr Menschen. Puenktlich eine halbe Stunde vor Abfahrt, stand der Zug zum Einsteigen bereit. Der entsprechende Wagen und unsere Betten waren schnell gefunden. Das Gepaeck stopften wir unter die Betten und kurz darauf fuhr Zug Z53 puenktlich ab.

Unser Abteil hatte vier Betten. Wir mussten es uns mit einer weiteren Chinesin teilen. Die Tuer zum Gang konnte verschlossen werden, sodass wir guten Gewissens schlafen konnten. Zuvor machten wir uns allerdings noch auf den Weg zum Restaurant-Wagen. Hier bestellten wir zwei Bier und tranken diese aus. Weitere zwei wurden bestellt, doch das Zugpersonal verstand uns nicht und wollte das Bier nicht bringen, obwohl es schon bezahlt war. Es dauerte und dauerte bis die entsprechende Person ihren Fehler verstand. Natuerlich konnte sie kein Englisch und so musste erst ein Kollege von ihr, der uns einigermassen verstehen konnte, anruecken. So kamen wir letztlich zu unserem verdienten Bier. Mittlerweile waren wir auch die einzigen Passagiere im Restaurantwagen. Lediglich das komplette Zugpersonal war ausser uns anwesend. Allerdings schenkten sie uns keinerlei Beachtung.

Da Chinesen frueh schlafen gehen, blieb es bei zwei Bieren. Wir wollten nicht vor einer verschlossenen Tuer stehen und deshalb ging es zurueck zu unserem Abteil, in welchem schon eine schnarchende Chinesin auf uns wartete … Jackpot! … So musste also der mp3-Player herhalten. Irgendwann ist man auch wirklich eingeschlafen und wurde nur wach, wenn der Zug anhielt oder die Kopfhoerer aus den Ohren rutschten und man das Geschnarche der Chinesin ertragen musste. Aber auch das haben wir ueberstanden uns so kamen wir morgens mit einer kleinen Verspaetung um 8.30 in Xi’an an.

Aus dem Bahnhof draussen blickten wir direkt auf eine riesige Menschenmenge, die vor dem Bahnhof auf dem Boden sass. Schwer beladen mit Sack und Pack, Kind und Kegel, warteten diese Menschen auf ihren Zug. Den Bus erreichten wir schnell und die Fahrt liess schon nichts gutes erahnen. Doch was alles in Xi’an schief gelaufen ist und warum wir so froh sind, wenn es morgen in die naechste Stadt geht, wird in einem weiteren Artikel geschrieben stehen.

Olympia Park

Am letzten Tag in Beijing sollte es etwas gemaechlicher zugehen. Schliesslich hatten wir nicht so viel Zeit, da es am Abend mit dem Nachtzug nach Xi’an gehen sollte. Da bot sich ein Besuch des Olympia Parks natuerlich an. Also haben wir uns mit Jiao und ihrem Freund getroffen. Aber wie die Chinesen so sind, mussten wir erst mal was Essen gehen. Also sind wir zur Uni gefahren und von dort in ein muslimisches Restaurant in der Naehe gegangen. Dort gab es zum ersten mal gebratene Nudeln. Denn anders als man es aus Deutschland kennt, werden die meisten Nudeln in Suppen serviert. Gestaerkt sind wir dann in den Olympia Park gefahren. Dort angekommen konnten wir als erstes das Vogelnest bestaunen. Leider haette es 50 Yuan Eintritt gekostet, wenn man mal in das Innere des Stadions schauen wollte. Wir sind deshalb weiter gegangen und haben uns die anderen Sportstaetten, z.B. das Schwimmbad, von aussen angesehen. Da das Wetter sehr warm und schwuel war, sind wir im Anschluss noch mal ins Hostel gefahren um uns etwas auszuruhen. Jiao hat uns dann mit ihrem Freund am Hostel abgeholt. Eigentlich wollten wir dann mit dem Taxi zum Bahnhof fahren. Allerdings waren die meisten Taxis voll oder die Taxifahrer nicht gewillt uns mitzunehmen. Wir sind deshalb mit der U-Bahn in die Naehe des Bahnhofs gefahren und dann mit dem Taxi zum Bahnhof weitergefahren.

Rikschafahrt des Todes

Es sollte ein ruhiger Abend mit zwei, drei Bier werden… Spontan sind wir mit einem im Hostel kennengelernten Berliner losgezogen, um das Barleben Beijings auszuprobieren. Also schnell ins Taxi, das gewuenschte Ziel dem Taxifahrer, auf einem Zettel vorgeschrieben, gezeigt und ab zu den Bars. Das Viertel mit den Bars lag idyllisch um einen kleinen See. Die hell und bunt erleuchteten Bars spiegelten sich malerisch im stillen Wasser. Es schien, als koennte der Abend sehr entspannt und ruhig werden. Doch dann schallte es schon das erste mal mit fragendem Unterton: Ladies-Bar? Voellig perplex verneinten wir hoeflich und gingen weiter. Da es gar nicht so einfach war, eine ruhige Bar zu finden, mussten wir ein Stueck um den See laufen. Denn in China scheint es zum im wahrsten Sinne des Wortes guten Ton zu gehoeren, laut schallende Musik in die Nacht zu plaerren um Gaeste anzulocken. Ein ruhiger Abend wuerde das wohl nicht werden. Und es kam noch schlimmer! Nachdem wir schaetzungsweise 20 Makrtschreier vom Typ Ladies-Bar hinter uns gelassen hatten und die erste uns genehmen Bar verliessen, lockte ein freundlicher Chinese mit der Aussicht auf eine Bier-Bar. Nichtsahnend folgten wir leichtglaeubig und standen nach 10 Minuten Fussmarsch vor dem Shining Town Club. Laute Baesse wummerten im Ohr und nach dem ersten Schritt auf der Treppe nach unten in den Club wurde uns klar, dass die vermeintliche Bier-Bar auch nur eine Ladies-Bar war. Auf dem Rueckzug aus dem Club versuchte uns der „Fuehrer“ noch mit dem Angebot zu locken, dass wir fuer das Gucken nicht bezahlen muessten und ein Bier ja auch nur 20 Yuan kosten wuerde. Wir setzten unsere Suche erfolgreich fort und kehrten noch in einer weiteren, wirklichen Bar, ein. Auf dem Rueckweg in Richtung Taxi versorgten wir uns dann noch mit zwei Wegbieren an einem Kiosk.

Am Taxistand angekommen, konnten wir schnell ein leeres Taxi ausmachen. Als der Fahrer fuer die Fahrt allerdings 50 Yuan kassieren wollte, mischte sich ein Rikschafahrer in das Gespraech ein und preiste uns die Fahrt zurueck fuer 10 Yuan an. Nach langem Hin und Her, man bedenke, dass eine Rikscha nur fuer 2 Leute ausgelegt ist, wir aber zu dritt waren, entschieden wir uns dann doch fuer die Fahrt. Eine gewagte Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Die Fahrt begann schon damit, dass der Fahrer ohne Licht losgefahren ist und auch keine Anstalten machte, dieses jemals anzuschalten. Um fuer mehr Sicherheit zu sorgen und das ganze nicht im Fiasko enden zu lassen, entschloss sich Simon, eine pinkfarbene blinkende Schleife aufzusetzen. Nur diesem beherzten Handeln haben wir es wohl zu verdanken, dass wir jetzt diesen Beitrag schreiben koennen. Weiter ging also die Fahrt, rasant und gefaehrlich sowie ueber rote Ampeln. Doch wir haben es ueberlebt! Danke Simon!
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Erste eigene Gehversuche …

Nachdem es Jiao mit Fieber ausser Gefecht gesetzt hat, sind wir heute zum ersten mal alleine durch die Grossstadt gezogen. Ziel war der Himmelstempel. Dafuer haben wir kurz die Schriftzeichen verglichen und uns den Namen eingepraegt. Der Tempel war leicht zu finden, da er mit der gleichen U-Bahn-Linie zu erreichen ist, wie unser Hostel. Gekostet hat uns der Spass 35Yuan. Dafuer bekamen wir einen gigantischen Park und beeindruckende Tempelanlagen zu sehen. Zunaechst mussten wir durch den langen Korridor gehen, bevor wir nach einer Einlasskontrolle die „Halle der Ernteopfer“ zu sehen. Ein grosser, runder Tempel mit blau lackiertem Dach und farbenpraechtigen Verzierungen. Auch diente dieser als Kulisse fuer chinesische Hochzeitsfotos … ein Traum in rot …

Weiter ging es ueber eine sehr breite und lange Strasse zur Echo-Wand. Eine exakt runde Wand, welche das Echo entlang der kompletten Wand tragen soll. Allerdings nur in der Theorie … wild schreiende Chinesen verwandelten den ruhigen Park in ein akustisches Armageddon.

Abgeschlossen wurde der Besuch mit einem kreisfoermigen Altar, bevor wir den kompletten Weg ueber weitestgehed menschenleere Wege zurueck zum Eingang gingen. Auf diesem Weg bekamen wir einmal mehr chinesische Effizienz zu sehen. Gruenflaechen wurden nicht mit einem Traktor gemaeht, sondern mit fuenf, wobei sich einer davon in der „Box“ fuer einen Formel-1-aehnlichen Boxenstopp befand. Zwei Arbeiter waren staendig damit beschaeftigt das Geraet in Topzustand zu halten, waehrend sich die restlichen Arbeiter ein spannendes Rennen ueber die Grasflaechen lieferten. Sehr beeindruckend!

Des Weiteren haben wir heute Kleidung in die Waescherei gebracht. Hier wird nicht nach Stuecken, sondern nach Kilo abgerechnet. 15 Yuan pro Kilo. Machte fuer uns 22 Yuan, also etwa 2,50Euro. Wir waren also sehr fleissig und werden gleich versuchen die ersten Postkarten auf den Weg zu bringen. Wir hoffen, dass diese wirklich ankommen und werden vorsichtshalber noch Beweisfotos schiessen! Fuer morgen ist der Besuch der Mauer geplant. Hoffentlich wieder mit einer fitten Roujiao!

Sommerpalast Beijing

Am nun schon dritten Tag in Beijing hiess das Ziel Sommerpalast. Nach einer ziemlich langen Fahrt mit der U-Bahn sind wir am Sommerpalast angekommen. Die Fahrt in der Linie 4 erfuellte dann auch alle Klisches ueber das U-Bahn-Fahren. Eine Bahn, die so voll war, dass man gar keine Chance hatte einzusteigen, sodass wir dann auch eine Bahn fahren lassen mussten. Die naechste Bahn war dann wenigstens nur so voll, dass wir uns irgendwie reinquetschen konnten. In der Bahn hat uns dann auch noch eine verdrogte Chinesin angesprochen. Die Fahrt in der Bahn war also sehr spannend.

Vor dem Besuch des Sommerpalastes verschlug es uns dann noch kurzzeitig zu Mc Donalds. Bei einem grossen Big Mac-Menue fuer umgerechnet 2 Euro 20 konnten wir einfach nicht nein sagen. Schliesslich haben wir es dann aber doch noch in den Sommerpalast geschafft.

Im Gegensatz zu Deutschland ist das Wetter hier in Beijing aeusserst sommerlich, sodass wir bei 30 Grad und Sonnenschein durch endlose Wandelgaenge spaziert sind. Die Haeuser waren alle bunt bemalt und hatten die fuer Nordchina typische Dachform. Insgesamt war der Ausflug eine runde Sache und wurde zum Abschluss noch mit einer kleinen Bootsfahrt bereichert. Bilder gibt es dazu auch auf Flickr.

Peking-Ente fuer Anfaenger

In China, da kann man so einiges lernen. Zum Beispiel, wie man fachmaennisch und ganz nach chinesischer Tradition Peking-Ente zubereitet und isst. Eine kleine Anleitung:

1. Zu allererst bestelle man sich in einem chinesischen Restaurant, auf Grund der dort vorherschenden Lautstaerke vergleichbar mit einem Pausenhof waehrend der grossen Pause, eine Peking-Ente.

2. Als naechstes rueckt ein Koch mit Messer an und zerlegt die gegrillte Ente hochprofessionell mit einem Messer. Die Fleischstuecke werden dann auf einem Teller serviert.
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3. Jetzt beginnt der eigentlich spannende Teil der Zubereitung. Dabei handelt es sich auch um den schwierigsten Teil des gesamten Vorhabens, denn hier heisst es, einen hauchduennen Teiglappen vom Stapel zu pulen, diesen dann in der einen Hand zu drappieren um dann mit der anderen Hand mittels Staebchen die Zutaten, d.h.Fleisch mit Sosse, unbekannte weisse Streifchen, Gurkenstifte und kleine Sprossen, auf den Teiglappen zu legen.
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4. Nachdem dieses mehr oder minder erfolgreich und ohne Komplikationen vonstatten gegangen ist, gilt es, den Teiglappen so zu falten, dass man ihn in zwei Haende nehmen kann.
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5. Als kroenender Abschluss muss nur noch verspeist werden.DSCF7729

Kniefall zu Warschau vs. Klo(um)fall zu Beijing

Kniefall in Warschau kann jeder … mit einem Klo in China (beinahe) umkippen nur ich! Man muss wissen, dass das chinesische Standardklo lediglich ein Loch im Boden mit einer geriffelten Oberflaeche (gegen Rutschgefahr) ist. Da in dem Hostel, in dem wir uns derzeit befinden allerdings ueberwiegend Europaer untergebracht sind und diese vermutlich ueber Toiletten mit unserem Standard verfuegen, hat man sich entschlossen ueber dieses Loch mit ein wenig Silikon eine westliche Schluessel zu montieren oder soll ich sagen notduerftig zu kleben … Da ich allerdings unnoetige Kontamination mit einem chinesischen Klo verhindern wollte, verlagerte ich mein Gewicht auf eine Koerperhaelfte, wodurch die Kloschuessel aus ihrer ‚Silikonhalterung‘ gerissen wurde und die gesamte Schuessel zu wackeln begann. Von da an waren ruhige und ueberlegte Bewegungen gefragt. Ich konnte die Situation retten, auch wenn ich schweissgebaded das Badezimmer verlassen habe … Puuhhh … China … immer fuer eine Ueberraschung gut!

 

Von Currywurst zu gekochtem Seestern in 24h!

Nach einer letzten Currywurst vor Abflug nach China, ging es per Zug mit Ruben, Judith und Seunghee an den Flughafen. Check-in ging in wenigen Minuten von statten und so begaben wir uns puenktlich zum entsprechenden Gate. Der Kuemmelbomber wurde beladen und startete mit 15 Minuten Verspaetung in Richtung Istanbul. Dort angekommen, geparkt wurde neben einem Flugzeug der BH-Airlines (hahahaha) ging es per Bus ins Terminal, wo Energieknappheit fuer den Ausfall saemtlicher Rolltreppen sorgte. Aus einem Treppenhaus wurden wir schnell verscheucht … es handelte sich um einen Notausgang … Oooopsy … Das Design des Flughafens erinnerte im Entferntesten an Grossbritannien, vielleicht tropfte es auch deshalb von der Decke um das englische Wetter zu imitieren. Schliesslich durften wir den Flughafen Richtung Flugzeug verlassen. Wir hatten eine Reihe fuer uns, da ein Sitz frei blieb. Bei Bier und Musik wurden die 8h tot geschlagen. Peking erreichten wir ueberpuenktlich um 13.45 Ortszeit. Einreise und Gepaeckabholung erledigten wir ohne Probleme und so trafen wir gegen 14.30 Jiao. Mit ihr und ihrem Freund ging es anschliessend per AirportExpress und U-Bahn zu unserem Hostel, welches wir direkt bezogen. Es folgte die Suche nach einem Geldautomaten, der deutsche Karten akzeptiert. Nach einer gefuehlten Ewigkeit und unendlich vielen erfolglosen Versuchen, spuckte der Automat der Bank of China schliesslich ‚harte‘ Yuan aus. Auch das Tauschen von TravelerCheques erwies sich als Herausforderung. Der Tausch zoegerte sich ueber 30 Minuten hin … doch auch dieses Unterfangen fand letztendlich ein gutes Ende.

Die bei der Suche nach Bargeld verschwendeten Kraefte sollten daher mit einem pompoesen Essen regeneriert werden. Wir trafen Jiaos Onkel, der eigentlich der Cousin ihres Vaters ist, aber trotzdem Onkel heisst, vor einem bekannten Restaurant in welchem bereits ein Tisch fuer uns reserviert war. Hier erwartete uns ein Tisch fuer acht Personen in dessen Mitte eine Aussparung war, in welcher ueber einem Gasbrenner ein Gefaess mit zwei kochenden Bruehen angebracht war. In diese beiden Bruehen wurde nun alles geworfen, was an den Tisch gebracht wurde. Normales Rindfleisch, Rinderzunge, Tofu, Tofupapier, Pilze, Schweineblut, Glibber, Enteninnereien und der bei uns hoch im Kurs stehende Seestern. Ausserdem wurden in einer wilden Choreografie (wer ist Detlef D! Soost?) Nudeln in die Laenge gezogen und in der Bruehe versenkt. Als waere das alles noch nicht genug, wartete ausserdem ein kompletter Kasten Bier auf uns. Diesen tranken wir mit Jiaos Freund und Onkel leer, bevor wir uns verabschiedeten und ins Hostel zurueckzogen, um dort zwei weitere Biere zu uns zu nehmen. So endete der erste Tag leicht beschwippst im Hochbett.

Der zweite Tag wurde mit Besuchen der Verbotenen Stadt, des Platzes des himmlischen Friedens und des Jingshan-Park begonnen, bevor es am Abend einer Ente an den Kragen gehen soll. Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

P.S. auf Flickr gibt es nun auch die ersten Fotos!