Kunming, Shilin, Polen

In Kunming angekommen, erwartete uns schon Jiaos Tante, um uns den Weg zu unserem Hostel zu weisen. Nach 20 Minuten im Bus und weiteren fuenf Minuten zu Fuss erreichten wir das Cloudland-Hostel. Die Zimmer konnten wir direkt beziehen und die Duschen waren auch schnell gefunden und genutzt. Da Roujiao eine Pause brauchte, verbrachten wir den Tag ohne sie. Wieder waren wir fleissig und haben unsere Waeschesaecke, nach laengerer Suche, abgegeben und waschen lassen. Im Hostel angekommen und kaum auf einem der vielen Sofas niedergelassen, machte sich ein Hauch von Bier- und Schweissgeruch breit. Unsere polnischen Nachbarn waren zu hause und stellten sich prompt vor, nicht ohne uns Bier und Zigaretten anzubieten! Wir kamen schnell ins Gespraech und erfuhren so von ihrer spannenden Anreise nach China. Sie nahmen nicht das Flugzeug, auch nicht die Transsib, sondern sind getrampt und zwar von polnisch-ukrainischen Grenze bis in die Mandschurei. Es handelte sich wirklich um eine verdammt harte Gruppe, bestehend aus zwei Maedels und zwei Kerlen. Einer von beiden war des Weiteren durch eine fehlende Fingerkuppe merklich gezeichnet! Sie hatten viel von ihrer Reise zu erzaehlen. Untermalt die Erzaehlungen von einer kleinen Fotoshow.
Als uns Hunger auf die wilden Strassen Kunmings trieb, stiessen wir ausserdem auf einen Wal-Mart, doch konnte uns dieser nicht die gewuenschten Artikel bieten … aber egal! So ging es zu Dicos, einer taiwanesischen Fastfood-Kette. Dies erwies sich als grosser Fehler, denn es schmeckte einfach schlecht und lange warten mussten wir auch noch. Dicos ist somit offiziell von unserer Liste gestrichen. Frueh ging es ins Bett, da fuer den naechsten Tag der Steinwald in Shilin auf dem Programm stand.
Ueberpuenktlich standen wir vor unserem Hostel und trafen Jiao. Zusammen mit ihr ging es zur Kunming East Bus Station, wo wir einen weiteren Bus nach Shilin nahmen. Die Busfahrt verlief unspektakulaer und nach etwas ueber einer Stunde kamen wir, genervt von einem franzoesischen Choleriker, in Shilin an. Vom Eintrittspreis geschockt (fast 20Euro) entschloss sich Simon zu einer kleinen Notluege … er war fuer fuenf Minuten Austauschstudent mit Mainzer Studentenausweis … Der Steinwald ist eine, durch Wind und Wasser, erodierte Gesteinslandschaft, welche Massen an Touristen anzieht. Doch es lohnt sich! Man wandert oder irrt durch ein Labyrinth und kommt nach einigen Minuten wieder am Startpunkt an. Beeindruckt von der sich hier bietenden Landschaft, ging es zurueck nach Kunming, wo eine weitere kulinarische Spezialitaet auf uns wartete. ‚Ueber-die-Bruecke-Nudeln standen auf dem Speiseplan! In einem, nicht durch Sauberkeit glaenzenden Restaurant, machten wir uns an diese Nudelsuppe, in welche verschiedene Zutaten geworfen werden. Es schmeckte so la la …! Da auf unserer Einkaufsliste eigentlich auch neue Brillen standen, gingen wir zu einem nahegelegenen Optiker, doch beim Anblick von HUGO SOSB und Dolaroid, machten wir eine Kehrtwende und verliessen geschwind den Laden! Der letzte Tag plaetscherte so vor sich hin. Am Mittag entschieden wir uns deshalb fuer einen Besuch des Yunnan Provinz Museums. Doch dieses enttaeuschte!
Zurueck im Hostel, schnappten wir unsere Rucksaecke und machten uns auf den Weg zum Bahnhof (dieses mal im Taxi mit Taxameter!). Dort ausgestiegen, steuerte direkt ein aelterer Chinese auf uns zu und frage uns nach einem Foto mit ihm. Wir kamen seinem Wunsch nach und wurden prompt zu ihm nach Hause eingeladen. Doch leider sieht unser Reiseplan keinen Stop in seiner Stadt vor … schade eigentlich!

Chengdu

Nachdem wir um 5.40 in Chengdu ankamen, versuchten wir im Regen ein Taxi zu ergattern, welches uns zu einem fairen Preis zu unserem Hostel faehrt. Wir haetten es wissen muessen … es ist nicht moeglich. Notgezwungen nahmen wir eins zu einem leicht ueberteuerten Preis. Das Taxameter blieb aus, der chinesische Fiskus blickt in die Roehre und wir kamen nach 10 Minuten vor unserem Hostel an. Der Taxifahrer war zwar zu dumm es direkt zu finden, europaeische Augen haben es dann aber doch erspaehen koennen. Nachdem wir eingecheckt hatten und sich irgendwann auch die Tuer oeffnen lies, glaubten wir unseren Augen nicht. Ein fast luxurioeses Zimmer erwartete uns, dass die Tapete angetackerte war, bemerkten wir erst speater, aber es war sauber und geraeumig und hatte ein eigenes Bad. Nach ein paar Stunden Schlaf, weckte uns Jiao um uns auf die Fahrt zum groessten Panda-Park der Welt vorzubereiten.
Nach etwa einer Stunde Busfahrt, davon 20 Minuten in einem hoelzeren Bus, kamen wir dort an. Die Tickets waren schnell gekauft und es konnte los gehen. Der Park ist sehr weitlaeufig und so dauerte es fast 10 Minuten bis wir den ersten Panda schlafen sehen konnten. Da dieser etwas langweilig war und Jiao im Panda-Fieber war, wurde uns keine lange Sicht auf den Panda gewaehrt. Stattdessen ging es 15 Minuten den Berg hinauf zum ersten groesseren Pandahaus, wo gerade ein Panda mit „Pandabrot“ gefuettert wurde. Das Tier erinnerte uns allerdings eher an einen seit 30 Jahren verheirateten Ehemann, der mit Bier vor der Glotze haengt und die Sportschau sieht. Also weiter … das naechste Gehege beinhaltete direkt drei Tiere, welche ebenfalls gefuettert werden. Ausserdem kletterten die Pandas in den Baeumen. Da aber auch diese sich irgendwann auf dem Boden niederliessen, machten wir uns auf den Weg zur Aufzuchtstation, wo wir viele kleine Babypandas zu sehen bekamen. Es lagen zwar alle auf pinken Decken, die Haelfte war allerdings maennlich. Da wir mit den Babys das Highlight des Parks gesehen hatten, ging es auf den Rueckweg.
Chengdu und insbesondere Sichuan, die Provinz, sind bekannt fuer ihr gutes Essen. Also sollte es in eine „Fressgasse“ gehen. Wir machten uns auf das Schlimmste gefasst, doch schmeckten die Nudeln, die wir assen gut. Die eigenltichen Abartigkeiten bekamen wir erst spaeter zu sehen und vor allem zu riechen. Es ist leicht mit einem Wort zu erklaeren … Ekelhaft! … gegrillte Kuecken sind wirklich nicht unser Ding und werden es auch nicht werden. Also sollte es fuer uns bei Nudeln bleiben, was auch nicht weiter schlimm war, da fuer abends der Feuertopf vorgesehen war.
Der besagte Feuertopf, wir assen ihn bereits ihn Peking, hielt allerdings nicht das, was wir uns von ihm versprachen. Zunaechst war er viel zu scharf, sodass wir Angst um unsere Magenschleimhaeute hatten und ausserdem war er mit irgendeinem Gewuerz versehen worden, bei dem unsere Geschmacksrezeptoren nur noch kapitulieren konnten. Trotzdem assen wir etwas, auch wenn es wirklich zu scharf war. Man sieht es auf den Bildern. Schweissgebaded und mit taubem Mundraum ging es deshalb zurueck ins Hostel und ziemlich schnell ins Bett. Am naechsten Tag wurde ausgeschlafen und um 13Uhr ausgecheckt. Weiter ging es zum Bahnhof. Das uebliche Prozedere begann … sich durch Menschenmengen kaempfen, Tickets zeigen und fuer den Sicherheitscheck bereit machen. Wir hatten Bier eingepackt, was sich als Fehler herausstellte. Die Tasche, in dem sich dieses befand wurde von nachrueckendem chinesischen Gepaeck bzw. Hausrat vom Tisch gedrueckt, fiel zu Boden und die Bierflaschen platzten. Wir liessen die Tasche dezent liegen, auch wenn die Sicherheitsbeamtin, die uns abtastete (ja … hier machen das Frauen), uns auf unsere Tasche aufmerksam machte. Wir waren uns keiner Schuld bewusst und mittlerweile trampelten auch schon chinesische Menschen auf der Tasche umher. Deshalb zogen wir es vor diesen Bereich des Bahnhofes schnell zu verlassen und fernab der Tasche auf den Zug zu warten.
Die Zugfahrt war aehnlich wie schon die nach Chengdu. Wir teilten uns ein Abteil mit einem sechs Monate altem Baby. Dieses mal sehr aktiv, aber lustig. Genervt vom Zugpersonal, das uns Schund verkaufen wollte und sich einen Spass daraus machte uns auf chinesisch anzusprechen, entschieden wir uns zu einem Kauf … allerdings von Bier. Wir bestellten sechs, was uns entsetzte Blicke der anwesenden Chinesen einbrachte, doch auch das war schnell vergessen, die Biere getrunken uns so ging es ins Bett … himmlische Ruhe … bis das Baby ausstieg und ein alter, schnarchender, stinkender und einfach widerlicher Chinese Platz nahm. Die Ruhe war dahin und der mp3-Player am Lautstaerke-Maximum … es sollte Stunden dauern bis der Chinese aufwachte und uns so Schlaf ermoeglicht wurde. Gegen 9.30 erreichten wir schliesslich gestresst und muede Kunming!

Randnotizen: Terrakotta-Armee, Zugfahrt Xi’an – Chengdu

Am 9.9 machten wir uns frueh morgens auf. Das Ziel war die Terrakotta-Armee, welche sich etwa eine Stunde ausserhalb Xi’ans befindet. Zunaechst hat Roujiao allerdings noch unsere Zugfahrkarten umgetauscht und uns so eine ertraeglichere Abfahrtszeit ermoeglicht. Anschliessend ging es in einem kleinen Bus der Regierung zu unserem eigentlichen Ziel. Der Bus der Regierung erwies sich als Gluecksfall, erzaehlte doch ein Chinese, der neben Jiao sass, dass dieser fuer die gleiche Fahrt schon einmal 350 statt 12 Yuan bezahlt hat. Auslaender sind also nicht die einzigen, die hier boese beschissen werden. Bei der Terrakotta-Armee angekommen, goennte uns Roujiao ein Mittagessen bei KFC, bevor wir uns zu dem Ticketbuero aufmachten. Geschockt vom Preis, 110 Yuan (etwa 13 Euro), versuchten wir mit unserem deutschen Studentenausweis einen Rabatt zu erzielen, doch die Chinesin sah sich diese gar nicht erst an und verwies uns an einen anderen Schalter, wo wir den vollen Preis abdruecken sollten.

Vom Ticketbuero aus ging es durch eine kleine, kuenstliche Stadt aus Verkaufsstaenden und anderen Touristenabzockmaschinerien zu der eigentlichen Terrakotta-Armee. Zunaechst besuchten wir ein kleines Museum, das Highlight (die eigentliche Ausgrabung) sollte den kroenenden Hoehepunkt dieses Ausflugs bilden. Das Museum sahen wir uns an, besuchten anschliessend die weniger bekannten weiteren Ausgrabungen und begaben uns zu den, aus Fernseher und Buechern bekannten, Ausgrabungen. Wir drehten eine Runde in der Halle, immer begleitet von grossen Gruppen von Touristen aus aller Herren Laendern. Die nun folgende Rueckfahrt war vor Enge kaum zu ueberbieten. Wir haetten gerne gegen den Sitzabstand von Ryanair oder Condor getauscht.

 

Am naechsten Tag (10.9) war der Abschied aus Xi’an angesagt. Vor der Zugfahrt wollten wir uns allerdings auf der ueber 13km langen Stadtmauer von Xi’an ein wenig die Beine vertreten. Schoen waren von hier die alten Daecher der einstigen Hauptstadt Chinas zu sehen.

Nach diesem kurzen Spaziergang holten wir unsere Rucksaecke, checkten aus und machten uns auf den Weg zum Bahnhof. Nach einer kurzen Wartezeit war Zug K5 zum Einsteigen bereit. Wir bezogen gegen einen Aufpreis von 10 Yuan als erstes unseren Wagen. Wir hatten Betten direkt neben der Tuer erwischt. Dadurch wurden wir durch die, zwischen den Waggons rauchenden Chinesen, immer wieder geweckt, denn erstens haelt es hier niemand fuer noetig die Tuer zum Abteil zu schliessen und sollten sie dies mal tun, werden die Tueren derartig fest zugeworfen, dass man Angst um den Zug haben muss. Auch das bei uns im Abteil untergebrachte acht Monate alte Kind konnte bei den anderen Mitreisenden kein Mitleid erregen. Vielleicht auch deswegen, weil es schon in seinem zarten Alter mit Spielzeugzigaretten spielte. Gekleidet war es, wie in China typisch, mit einer Lochhose, die eine Frage nach dem Geschlecht eruebrigte. Als waere all dies nicht schon genug gewesen, wurden wir auch oefter durch Whams „Last Christmas“ aus dem Schlaf gerissen, aber immerhin hatten wir etwas zu lachen!

Xi’an

Nach einer doch recht angenehmen Fahrt nach Xi’an folgte ein Tag des Grauens. Es begann alles mit der Busfahrt vom Hauptbahnhof in Xi’an zum Hostel. Diese eine Busfahrt offenbarte alle Grausamkeiten des chinesischen Verkehrs in einer Grossstadt ohne U-Bahn. Da die Busse in Xi’an alle ueber Handschaltung verfuegen, muss man immer damit rechnen, beim Anfahren oder Bremsen durch den Bus zu fliegen. Denn die Busfahrer bremsen immer erst, wenn es zu spaet ist. Und Anfahren koennen sie offenbar nur mit Vollgas. Hinzu kommt, dass sich unvorstellbare Menschenmassen in die Busse quetschen. Man muss sich immer rechtzeitig auf den Ausstieg vorbereiten, andernfalls muss man eine Station weiter fahren. Fast schon nebensaechlich erscheint da die Tatsache, dass die Strassen voellig marode sind und dementsprechend holprig die Fahrt.

Im Hostel schliesslich angekommen mussten wir uns mit chronisch genervtem Personal rumschlagen, dass kaum Englisch sprechen konnte. Um die zwei Stunden zu ueberbruecken, die wir auf unsere Zimmer warten mussten, trieb es uns an die Computer. Wie wir leider feststellen mussten, waren diese veraltet, langsam und voellig verseucht mit Viren. Der absolute Hoehepunkt im negativen Sinne stellte der Moment dar, als der PC beim Versuch Bilder auf Flickr hochzuladen, diese einfach auf der Speicherkarte geloescht oder versteckt hat. Jedenfalls scheinen die Bilder nur noch als Daten, aber nicht als Fotos vorhanden zu sein. Der Tiefpunkt in Xi’an war somit erreicht.

Nachdem wir dann die Zimmer beziehen konnten, wurden wir zwar nicht masslos enttaeuscht, aber dennoch nicht zufrieden gestellt. Die Zimmer waren ohne Fenster und ohne Klimaanlage. Zudem waren die Duschen von einem sehr komischen Aufbau und Dreck gepraegt. Man musste sich wirklich fragen, welcher Architekt auf die Idee kommt, Duschkabinen aus mattem Glas zu bauen…

Das Leid liess in Xi’an leider nicht von uns ab. Das naechste Ungemach traf uns, als wir feststellen mussten, dass es keine Fahrkarten mehr fuer unseren gewuenschten Zug nach Chengdu gab. Als Alternative bot sich nur ein Zug am uebernaechsten Tag um 6.00 Uhr morgens an. Jiao hat sich in unendlicher Geduld mehrmals an die Schlange am Ticketschalter angestellt, bis wir schliesslich Tickets fuer einen Zug am uebernaechsten Tag um 13.20 Uhr bekommen hatten. Zwar waren die Plaetze nicht, wie eigentlich gehofft, in der Softsleeper-Kategorie, sondern in der Hardsleeper-Kategorie, doch wir fanden uns mit unserem Schicksal schliesslich ab.

Bezeichnend war auch die Erkenntnis, dass chinesische Taxifahrer mit dem Begriff Befoerderungspflicht nichts anfangen koennen. Nicht nur in Beijing wollte uns kein Taxifahrer zum Bahnhof fahren. Auch in Xi’an wurden wir mit dem Hinweis abgewiesen, dass die Strecke zu kurz sei. Taxifahrer sind von nun an ganz unten in unserer Sympathieskala angekommen.

Aber es gab auch einige wenige gute Erlebnisse in der Chaosstadt Xi’an. Zum Beispiel das erste Gespraech mit einem echten Chinesen am ersten Abend in der Bar. Dort hatten wir uns frustriert dazu entschlossen, den Abend mit ein paar Bieren zu begiessen. Mit einem Chinesen kamen wir spaeter am Abend ins Gespraech. Zum Schluss lud dieser uns sogar zu einem Jaegermeister ein. Damit fand zumindest der eine Abend einen guten Abschluss.

P.S. Simon hat auch erfahren, dass er IB bestanden hat!

Per Nachtzug in den Vorhof der Hoelle!

Am Bahnhof angekommen, staunten wir erstmal ueber die Ausmasse des Bahnhofs. Berlin Hbf ist ein Witz dagegen. Zunaechst mussten wir eine Sicherheitskontrolle ueber uns ergehen lassen (wie am Flughafen oder auch in der U-Bahn in Beijing). Anschliessend ging es direkt zu unserem Warteraum, in dem wir die Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges verbracht haben. In China wartet man nicht direkt am Gleis auf seinen Zug, sondern in einer grossen Halle mit vielen Verkaufsstaenden und Kiosken und noch viel mehr Menschen. Puenktlich eine halbe Stunde vor Abfahrt, stand der Zug zum Einsteigen bereit. Der entsprechende Wagen und unsere Betten waren schnell gefunden. Das Gepaeck stopften wir unter die Betten und kurz darauf fuhr Zug Z53 puenktlich ab.

Unser Abteil hatte vier Betten. Wir mussten es uns mit einer weiteren Chinesin teilen. Die Tuer zum Gang konnte verschlossen werden, sodass wir guten Gewissens schlafen konnten. Zuvor machten wir uns allerdings noch auf den Weg zum Restaurant-Wagen. Hier bestellten wir zwei Bier und tranken diese aus. Weitere zwei wurden bestellt, doch das Zugpersonal verstand uns nicht und wollte das Bier nicht bringen, obwohl es schon bezahlt war. Es dauerte und dauerte bis die entsprechende Person ihren Fehler verstand. Natuerlich konnte sie kein Englisch und so musste erst ein Kollege von ihr, der uns einigermassen verstehen konnte, anruecken. So kamen wir letztlich zu unserem verdienten Bier. Mittlerweile waren wir auch die einzigen Passagiere im Restaurantwagen. Lediglich das komplette Zugpersonal war ausser uns anwesend. Allerdings schenkten sie uns keinerlei Beachtung.

Da Chinesen frueh schlafen gehen, blieb es bei zwei Bieren. Wir wollten nicht vor einer verschlossenen Tuer stehen und deshalb ging es zurueck zu unserem Abteil, in welchem schon eine schnarchende Chinesin auf uns wartete … Jackpot! … So musste also der mp3-Player herhalten. Irgendwann ist man auch wirklich eingeschlafen und wurde nur wach, wenn der Zug anhielt oder die Kopfhoerer aus den Ohren rutschten und man das Geschnarche der Chinesin ertragen musste. Aber auch das haben wir ueberstanden uns so kamen wir morgens mit einer kleinen Verspaetung um 8.30 in Xi’an an.

Aus dem Bahnhof draussen blickten wir direkt auf eine riesige Menschenmenge, die vor dem Bahnhof auf dem Boden sass. Schwer beladen mit Sack und Pack, Kind und Kegel, warteten diese Menschen auf ihren Zug. Den Bus erreichten wir schnell und die Fahrt liess schon nichts gutes erahnen. Doch was alles in Xi’an schief gelaufen ist und warum wir so froh sind, wenn es morgen in die naechste Stadt geht, wird in einem weiteren Artikel geschrieben stehen.

Olympia Park

Am letzten Tag in Beijing sollte es etwas gemaechlicher zugehen. Schliesslich hatten wir nicht so viel Zeit, da es am Abend mit dem Nachtzug nach Xi’an gehen sollte. Da bot sich ein Besuch des Olympia Parks natuerlich an. Also haben wir uns mit Jiao und ihrem Freund getroffen. Aber wie die Chinesen so sind, mussten wir erst mal was Essen gehen. Also sind wir zur Uni gefahren und von dort in ein muslimisches Restaurant in der Naehe gegangen. Dort gab es zum ersten mal gebratene Nudeln. Denn anders als man es aus Deutschland kennt, werden die meisten Nudeln in Suppen serviert. Gestaerkt sind wir dann in den Olympia Park gefahren. Dort angekommen konnten wir als erstes das Vogelnest bestaunen. Leider haette es 50 Yuan Eintritt gekostet, wenn man mal in das Innere des Stadions schauen wollte. Wir sind deshalb weiter gegangen und haben uns die anderen Sportstaetten, z.B. das Schwimmbad, von aussen angesehen. Da das Wetter sehr warm und schwuel war, sind wir im Anschluss noch mal ins Hostel gefahren um uns etwas auszuruhen. Jiao hat uns dann mit ihrem Freund am Hostel abgeholt. Eigentlich wollten wir dann mit dem Taxi zum Bahnhof fahren. Allerdings waren die meisten Taxis voll oder die Taxifahrer nicht gewillt uns mitzunehmen. Wir sind deshalb mit der U-Bahn in die Naehe des Bahnhofs gefahren und dann mit dem Taxi zum Bahnhof weitergefahren.

Der lange Marsch

Heute war die chinesische Mauer das Ziel. Da Jiao sich noch immer nicht gut fuehlt, sind wir wieder auf eigene Faust losgezogen. Die Rezeptionistin empfohl uns statt dem Zug den Bus. Also machten wir uns mit der U-Bahn auf den Weg zur Bushaltestelle um den Bus 919 zu suchen. Dieser lies sich allerdings nicht auffinden. Lediglich Taxifahrer sprachen uns an, wollten fuer die Fahrt aber unverschaemte Preise. Also sind wir nach erfolglosem Warten zum Bahnhof gefahren, um uns ein Ticket fuer den Zug zu kaufen. Dieses hat 20 Yuan gekostet, allerdings fuhr der Zug erst nach weiteren 90 Minuten ab, weshalb wir uns entschieden im Bahnhofs-Supermarkt Instantnudeln zu kaufen und diese mit bereitgestelltem heissen Wasser zuzubereiten. Wir wussten zwar nicht was wir assen, aber es schmeckte einigermassen. Bald wurde der Zug aufgerufen und wir machten uns ueber einen langen und breiten Bahnsteig auf den Weg zu unserem Zug. Dieser bot erstaunlich viel Platz und so ging es in 60 Minuten nach Badaling zur grossen Mauer.

Nach den ersten 800m bergauf erreichten wir den Eingang, kauften Eintrittskarten und machten uns auf den Weg, die Mauer zu besteigen. Der Gewaltmarsch fuehrte uns bis zum hoechsten Punkt der Mauer an diesem Teilabschnitt. Die Treppenstufen waren derart unterschiedlich in ihrer Hoehe, dass man sehr konzentriert sein musste, um nicht ins Stolpern zu geraten. Passiert ist allerdings nicht. Nach einer Stunde und zahllosen Hoehenmetern erreichten wir den hoechsten Punkt, genossen kurz die Aussicht um uns auf den nicht weniger anstrengenden Abstieg zu machen. Die Kniegelenke krachten und knarzten, doch es war die Anstrengungen wert. Auch, da es bis zur Spitze ausser uns kein Europaeer geschafft hat (zumindest nicht, als wir da waren). Somit konnten wir einmal mehr die deutsche Vormachtstellung in Europa untermauern. Sieg auf ganzer Laenge!

Nach einer kurzen Staerkung haben wir uns fuer den Bus 919, den wir in Badaling ohne Probleme fanden, entschieden. Dieser war allerdings so eng, man sitzt 3-2, dass es unmoeglich war, die Beine in einer entspannten Haltung anzuordnen, weshalb die fast 90 Minuten zu einem langen Krampf wurden. Doch was will man bei 12Yuan fuer 65km erwarten? Ausgesetzt im Nirgendwo, fanden wir nach einem weiteren Marsch eine U-Bahnstation und konnten so entspannt nach Hause fahren.

Uebrigens wurden wir auf der grossen Mauer gefragt, ob wir Mao gut finden, was wir natuerlich bejahten. Um unserem grossen Idol ein Stueckchen naeher zu kommen, vergleichen wir den heutigen Ausflug mit seinem langen Marsch!

Mao, wir fuehlen mit dir!

Rikschafahrt des Todes

Es sollte ein ruhiger Abend mit zwei, drei Bier werden… Spontan sind wir mit einem im Hostel kennengelernten Berliner losgezogen, um das Barleben Beijings auszuprobieren. Also schnell ins Taxi, das gewuenschte Ziel dem Taxifahrer, auf einem Zettel vorgeschrieben, gezeigt und ab zu den Bars. Das Viertel mit den Bars lag idyllisch um einen kleinen See. Die hell und bunt erleuchteten Bars spiegelten sich malerisch im stillen Wasser. Es schien, als koennte der Abend sehr entspannt und ruhig werden. Doch dann schallte es schon das erste mal mit fragendem Unterton: Ladies-Bar? Voellig perplex verneinten wir hoeflich und gingen weiter. Da es gar nicht so einfach war, eine ruhige Bar zu finden, mussten wir ein Stueck um den See laufen. Denn in China scheint es zum im wahrsten Sinne des Wortes guten Ton zu gehoeren, laut schallende Musik in die Nacht zu plaerren um Gaeste anzulocken. Ein ruhiger Abend wuerde das wohl nicht werden. Und es kam noch schlimmer! Nachdem wir schaetzungsweise 20 Makrtschreier vom Typ Ladies-Bar hinter uns gelassen hatten und die erste uns genehmen Bar verliessen, lockte ein freundlicher Chinese mit der Aussicht auf eine Bier-Bar. Nichtsahnend folgten wir leichtglaeubig und standen nach 10 Minuten Fussmarsch vor dem Shining Town Club. Laute Baesse wummerten im Ohr und nach dem ersten Schritt auf der Treppe nach unten in den Club wurde uns klar, dass die vermeintliche Bier-Bar auch nur eine Ladies-Bar war. Auf dem Rueckzug aus dem Club versuchte uns der „Fuehrer“ noch mit dem Angebot zu locken, dass wir fuer das Gucken nicht bezahlen muessten und ein Bier ja auch nur 20 Yuan kosten wuerde. Wir setzten unsere Suche erfolgreich fort und kehrten noch in einer weiteren, wirklichen Bar, ein. Auf dem Rueckweg in Richtung Taxi versorgten wir uns dann noch mit zwei Wegbieren an einem Kiosk.

Am Taxistand angekommen, konnten wir schnell ein leeres Taxi ausmachen. Als der Fahrer fuer die Fahrt allerdings 50 Yuan kassieren wollte, mischte sich ein Rikschafahrer in das Gespraech ein und preiste uns die Fahrt zurueck fuer 10 Yuan an. Nach langem Hin und Her, man bedenke, dass eine Rikscha nur fuer 2 Leute ausgelegt ist, wir aber zu dritt waren, entschieden wir uns dann doch fuer die Fahrt. Eine gewagte Entscheidung, wie sich schnell herausstellte. Die Fahrt begann schon damit, dass der Fahrer ohne Licht losgefahren ist und auch keine Anstalten machte, dieses jemals anzuschalten. Um fuer mehr Sicherheit zu sorgen und das ganze nicht im Fiasko enden zu lassen, entschloss sich Simon, eine pinkfarbene blinkende Schleife aufzusetzen. Nur diesem beherzten Handeln haben wir es wohl zu verdanken, dass wir jetzt diesen Beitrag schreiben koennen. Weiter ging also die Fahrt, rasant und gefaehrlich sowie ueber rote Ampeln. Doch wir haben es ueberlebt! Danke Simon!
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Erste eigene Gehversuche …

Nachdem es Jiao mit Fieber ausser Gefecht gesetzt hat, sind wir heute zum ersten mal alleine durch die Grossstadt gezogen. Ziel war der Himmelstempel. Dafuer haben wir kurz die Schriftzeichen verglichen und uns den Namen eingepraegt. Der Tempel war leicht zu finden, da er mit der gleichen U-Bahn-Linie zu erreichen ist, wie unser Hostel. Gekostet hat uns der Spass 35Yuan. Dafuer bekamen wir einen gigantischen Park und beeindruckende Tempelanlagen zu sehen. Zunaechst mussten wir durch den langen Korridor gehen, bevor wir nach einer Einlasskontrolle die „Halle der Ernteopfer“ zu sehen. Ein grosser, runder Tempel mit blau lackiertem Dach und farbenpraechtigen Verzierungen. Auch diente dieser als Kulisse fuer chinesische Hochzeitsfotos … ein Traum in rot …

Weiter ging es ueber eine sehr breite und lange Strasse zur Echo-Wand. Eine exakt runde Wand, welche das Echo entlang der kompletten Wand tragen soll. Allerdings nur in der Theorie … wild schreiende Chinesen verwandelten den ruhigen Park in ein akustisches Armageddon.

Abgeschlossen wurde der Besuch mit einem kreisfoermigen Altar, bevor wir den kompletten Weg ueber weitestgehed menschenleere Wege zurueck zum Eingang gingen. Auf diesem Weg bekamen wir einmal mehr chinesische Effizienz zu sehen. Gruenflaechen wurden nicht mit einem Traktor gemaeht, sondern mit fuenf, wobei sich einer davon in der „Box“ fuer einen Formel-1-aehnlichen Boxenstopp befand. Zwei Arbeiter waren staendig damit beschaeftigt das Geraet in Topzustand zu halten, waehrend sich die restlichen Arbeiter ein spannendes Rennen ueber die Grasflaechen lieferten. Sehr beeindruckend!

Des Weiteren haben wir heute Kleidung in die Waescherei gebracht. Hier wird nicht nach Stuecken, sondern nach Kilo abgerechnet. 15 Yuan pro Kilo. Machte fuer uns 22 Yuan, also etwa 2,50Euro. Wir waren also sehr fleissig und werden gleich versuchen die ersten Postkarten auf den Weg zu bringen. Wir hoffen, dass diese wirklich ankommen und werden vorsichtshalber noch Beweisfotos schiessen! Fuer morgen ist der Besuch der Mauer geplant. Hoffentlich wieder mit einer fitten Roujiao!

Sommerpalast Beijing

Am nun schon dritten Tag in Beijing hiess das Ziel Sommerpalast. Nach einer ziemlich langen Fahrt mit der U-Bahn sind wir am Sommerpalast angekommen. Die Fahrt in der Linie 4 erfuellte dann auch alle Klisches ueber das U-Bahn-Fahren. Eine Bahn, die so voll war, dass man gar keine Chance hatte einzusteigen, sodass wir dann auch eine Bahn fahren lassen mussten. Die naechste Bahn war dann wenigstens nur so voll, dass wir uns irgendwie reinquetschen konnten. In der Bahn hat uns dann auch noch eine verdrogte Chinesin angesprochen. Die Fahrt in der Bahn war also sehr spannend.

Vor dem Besuch des Sommerpalastes verschlug es uns dann noch kurzzeitig zu Mc Donalds. Bei einem grossen Big Mac-Menue fuer umgerechnet 2 Euro 20 konnten wir einfach nicht nein sagen. Schliesslich haben wir es dann aber doch noch in den Sommerpalast geschafft.

Im Gegensatz zu Deutschland ist das Wetter hier in Beijing aeusserst sommerlich, sodass wir bei 30 Grad und Sonnenschein durch endlose Wandelgaenge spaziert sind. Die Haeuser waren alle bunt bemalt und hatten die fuer Nordchina typische Dachform. Insgesamt war der Ausflug eine runde Sache und wurde zum Abschluss noch mit einer kleinen Bootsfahrt bereichert. Bilder gibt es dazu auch auf Flickr.